In diesem Sommer hatte ich das Vergnügen, in die Hauptstadt von Schweden zu reisen, um an den Stockholm Pride-Feierlichkeiten teilzunehmen. Glück für mich, ist es doch etwas, das mir in den meisten Jahren möglich ist, aber dieses Jahr war es Extraklasse. Es ist spektakulär und das erste Mal in der Geschichte der EuroPride Festtage, dass zwei Städte gemeinsam den Meilenstein für das LGBTQ-Event im nächsten Jahr setzen – Stockholm in Kooperation mit Göteborg.

Was die Pride in Schweden so besonders macht, ist die Tatsache, dass es weit mehr als nur eine Party ist. Mehr als 30 Pride-Festivals im ganzen Land kommen zu einem gemeinsamen Event zusammen und sind dabei fokussiert auf etwas, das nicht nur ein lokales Thema ist, sondern die ganze Welt betrifft.

Abgesehen von der Pride in Stockholm gibt es noch viele andere Dinge, auf die Stockholm wirklich stolz ist. Hier kommen nun zehn weitere Dinge, die ich auf meiner letzten Reise erlebt habe und die dich hoffentlich dazu inspirieren, eine meiner Lieblingsstädte weltweit zu besuchen.


Stockholm bietet das größte Pride-Festival in Skandinavien und es ist herzerwärmend zu beobachten, dass so viele Menschen daran teilhaben. Von lokal ansässigen Unternehmen bis zu Familien kommt tatsächlich die ganze Stadt und unterstützt mit allen Mitteln den letzten Tag der wochenlangen Festlichkeiten mit ihren vielzähligen kulturellen Programmen, politischen Debatten, Rahmenveranstaltungen und Partys. Das nächste Jahr verspricht, sagenhaft zu werden. Ich bin so gespannt darauf, zu sehen, wie dieses tolle Event während der EuroPride noch weiter wächst.

2. Gemeinschaft

Mir standen die Tränen in den Augen, als während der Parade die Stockholm Federation of Gay Parents aufmarschierte. Ihre Mitglieder waren Eltern mit LGBTQ-Kindern, oder Eltern, die selber auch homosexuell waren. Das war DER Moment, insbesondere als sie friedlich ein paar Anti-Schwulen-Aktivisten entgegentraten, die gekommen waren, um sie mit vermeintlich „traditionellen Familienwerten“ zu provozieren. Die riesige Menschenmenge um sie herum jubelte so laut, dass sie die Parolen der wenigen Demonstranten übertönte und damit bewies, dass die Stockholmer jeden Alters und Hintergrunds Gegner jedweder Form von Diskriminierung sind.

Bei Mälarpaviljongen, dem sagenhaften schwimmendem Restaurant-Hotspot in Seelage, werden Roséweine und regenbogenfarbige Perlweine verkauft, deren Erlös dem Regnbågsfonden zugute kommt, der hier gegründet wurde. Das ist eine gute Sache, die den LGBTQ-Menschen daheim und in anderen Teilen der Welt wie Uganda und Tschetschenien Unterstützung bietet. Bis heute hat diese gute Sache mehr als eine Million schwedische Kronen eingebracht, die Menschen mit LGBTQ-Orientierung hilft. Das zeigt, wie weit Trinken und unterhaltsame Zeiten unserer globalen Gemeinschaft helfen können! Wir trafen Arto, einen der Miteigentümer, der sich als ein inspirierender Mensch herausstellte. Er war einer der Gründer des ersten Stockholmer Schwulencafés Chokladkoppen in der Altstadt. Das erste Etablissement, in dessen Fenster eine Regenbogenfahne hing – zu Zeiten, als das noch ein Tabu war. Heute besteht seine Tätigkeit aus Wohltätigkeitsveranstaltungen für LGBTQ, die er in seinem Ponton-Restaurant abhält. Es bleibt zu erwähnen, dass sein Mitarbeiterstab aus einer Vielzahl asylsuchender LGBTQ-Menschen besteht, die nach Schweden ausgewandert sind, um der Verfolgung in ihrem eigenen Land zu entgehen.

3. Essen

Das Essen im Mälarpaviljongen ist gut, genauso wie die Atmosphäre. Jedoch bietet Stockholm noch viele weitere fantastische Orte, um Essen zu gehen. Einmal abgesehen von Fleischklößen und Graved Lachs, gibt es hier ein paar neue Restaurants, die die Stadt im Sturm erobern. Wir hatten das Vergnügen bei Tak zu dinieren, hoch über der Stadt und genossen eine köstliche Kombination aus japanischer und schwedischer Küche. Die Bar auf dem Dach ist ebenfalls ziemlich erstaunlich, kann man doch von hier endlose Perspektiven der Stadt genießen, nicht zu schweigen von einigen anderen schwedischen Augenweiden, zum Greifen nah!

Ein weiterer Ort mit einer sensationellen Aussicht ist das Dach von Södra Teatern wo du über das Wasser hinweg einen Blick in die Altstadt werfen kannst. Der bestgehütete Insidertipp ist jedoch das neue vegetarische Sharing-Plates-Restaurant Mosebacke Etablissment, das seinen Gästen einen geteilten Genuss einer neuen Dimension der globalen Küche in Form essbarer Pflanzen bringt. Die Atmosphäre ist entspannt und hip. Als jemand, der auf der Liste der selbsternannten Fleischfresser steht, war ich sehr angetan von der Kreativität der Speisen, die unglaublich lecker sind.

Bei einem ausgedehnten, verspäteten Frühstück vor der Pride, erlebten wir italienisches Flair in Schweden im Orangerieteinem Restaurant im Stil einer Trattoria, strategisch günstig gelegen, gleich am Startpunkt der Parade. Es ist ein fabelhafter Ort, um das ganze Jahr über gut gelaunt zu speisen und zu trinken. Das Restaurant hat einen eigenen schwimmenden Ponton sowie eine Dachterrasse. Während der Pride ist es Gastgeber für das Zusammentreffen eindeutig schwuler, aufgeschlossener Erwachsener… ich kann nicht genauer erzählen, was hier während der Pride stattfand, aber du kannst dir selbst einen Eindruck verschaffen! Orangeriet ist Teil einer Anzahl fabelhafter Restaurants, die seit mehr als 10 Jahren gerne von der lokalen LGBTQ-Gemeinschaft besucht werden. Schau dir die Liste am Ende der Website an, um weitere Restaurants dieser Art zu finden.

4. Party-Szene

Stockholm hat kein Schwulenviertel. Da die Homosexualität seit 1944 nicht mehr illegal ist, war das auch niemals nötig. Infolgedessen ist die Barszene integrativ und man findet ein gemischtes Publikum homosexueller Menschen und ihre coolen heterosexuellen Freunde an den verschiedensten Orten überall in der Stadt.

Während der Pride ist es keineswegs ungewöhnlich, dass sämtliche Bars eine Party veranstalten und damit eine der ereignisreichsten Erlebnisse des Sommers bieten. So findet man im Trädgården eine junge Gemeinschaft von Menschen, die im Gedränge nachts bei Bombenstimmung Schultern und andere Körperteile aneinander reiben. Man muss das einfach gesehen haben.

Wenn die Schwulen-Atmosphäre von Berlin, London und New York dein Ding ist, solltest du auch die King Kong ausprobieren. Dabei handelt es sich um eine wöchentlich stattfindende Party in der Stadt, die während der Pride besonders besuchenswert ist.

Für die Damenwelt gibt es ebenfalls eine lebhafte Szene. Hier ist das Moxy ein Ort, den man erlebt haben muss.

5. Designhotels

Stockholm hat einige fantastische Orte zu bieten, in denen du dein Haupt betten kannst. Während unserer letzten Reise waren wir in dem super angesagten Hoboein einzigartiges, global inspiriertes Designerhotel im Herzen der Stadt.

Gleich nebenan vermittelt das noble At Six ein Gefühl raffinierten schwedischen Designs.

6. Geschichte

Stockholm hat eine reiche Geschichte. In der Innenstadt, am Stockholmer Schloss wird die Geschichte lebendig. Strategisch platziert im Herzen Stockholms, mit Blick über das Wasser, ist es ein Wahrzeichen der Stadt und erinnert nachhaltig an Schwedens reiche, königliche Vergangenheit.

Ich kam in den Genuss einer Schwulenführung durch das Livrustkammaren, der Rüstkammer des königlichen Schlosses, unter der Leitung des modeexzentrischen Museumskurators. In Zusammenschau mit der Erwartung der kommenden Pride sieht man während der Führung unter der Bezeichnung „More hetero than the king?“ einige tolle Outfits und verliert sich in den Geschichten über Mitglieder der königlichen Familie mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Im Außenbereich gibt es eine Statue von Königin Christina, allgemein bekannt als Schwedens lesbische Monarchin.

Eine andere Dimension erhält das Schwulsein der Vergangenheit im Vasa Museum. Hier hat ein eitler (aber nicht schwuler) König ein riesiges Kriegsschiff gebaut mit der Absicht, der Welt die militärische Stärke Schwedens zu demonstrieren. Leider war eine Fehlkonstruktion die Ursache dafür, dass während des zu Wasser Lassens das Schiff in Stockholms Naturhafen versank. Das Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert ist durch das Salzwasser perfekt erhalten geblieben. Es wurde in den 80er Jahren in diese erstaunliche Ausstellung der maritimen Geschichte Schwedens integriert.

7. Kunst

Stockholm ist ein weltbekannter Ort der Kunst. Mein persönlicher Favorit ist das Fotografiskaein preisgekröntes Fotografie-Museum mit internationalen Ausstellungsstücken und gleichzeitig ein Dachgeschoss-Café, das Ausblicke über das Wasser in die Stadt bietet.

Mir gefällt auch das Museum der modernen Künste sehr, das Moderna Museetauf der malerischen Insel Skeppsholmen. Es hat ebenfalls ein atemberaubendes Café mit Aussicht.

8. ABBA

Muss ich dazu mehr sagen? Stockholm ist Heimat der Könige und Königinnen des schwedischen Pop. Erfahre alles über sie bei ABBA The Museum

Wenn du Sinn für das Theatralische hast, geh ins Mamma Mia! The PartyEinige Dinnershows sind in englischer Sprache, die meisten jedoch Schwedisch. Daher solltest du den Veranstaltungskalender konsultieren oder im Vorfeld anrufen, um die für dich die passende Show zu finden.

9. Städtisches Naturerlebnis

Die Schönheit Stockholms wird nicht nur repräsentiert durch die Tatsache, dass es aus einem Archipel atemberaubender Inseln besteht. Wenn du bereit bist, für 30 Minuten ein Boot zu besteigen oder eine kurze Autofahrt zu unternehmen, erreichst du die schwedische Inselgruppe im Handumdrehen.

Ich nahm die Fähre nach Fjäderholmarna und erlebte das Inselleben am Rande der Stadt. Ein Hummer- oder Krabbensalat im Restaurant Rökeriet brachte mich in Stimmung und ich unternahm einen Spaziergang auf dieser wunderschönen Insel. Die Fahrt mit der Fähre selbst war spektakulär und einen Post auf Instagram wert. Erfahre mehr und sieh dir die Fahrpläne von Waxholmsbolaget hier an.

Wenn du noch mehr davon willst, kannst du auch eine Inseltour mit den Waxholmer Fähren buchen oder bei Strömma. Die Boote fahren von den Außenanlagen des Grand Hotel ab.

10. Gamla Stan

Stockholms Motto für LGBTQ-Reisende ist „Wo enge Straßen auf Menschen mit Weitblick treffen“. Dieser Spruch wird wahr in der kopfsteingepflasterten Altstadt, dem Ort, wo alles begann. Chokladkoppen ist ein Paradebeispiel einer Anlaufstelle für uns schwule Touristen. Im Gegensatz dazu steht das Nobel Museum gleich gegenüber des Platzes, an dem weltoffene Seelen auf die besten Seelenverwandten treffen.

Gamla Stan ist einen Spaziergang wert, ist die Straße doch voller erstaunlicher Geschäfte und bietet reichlich Anlass zu fotografischen Momentaufnahmen. Hier kann man wirklich ein Gefühl dafür bekommen, wie das historische Stockholm ausgesehen haben muss.

Für diejenigen, die einen Zwischenstopp für eine süße Leckerei einlegen wollen, ist Gamla Stans Polkagriskokeri, ein absolutes Muss. Es ist ein niedlicher kleiner Shop, der altmodische Zuckerstangen und traditionelle Süßigkeiten zum Verkauf anbietet. Und dann ist da noch die Produktionsstätte der Süßigkeiten. Besucher können die Mitarbeiter bei der traditionellen Herstellung von Süßwaren beobachten, wo die Zuckermasse noch von Hand gezogen und in Form gebracht wird. Ich hatte die Ehre, das mit ansehen zu dürfen, jedoch bedeutet das nicht, dass ich meinen Job für eine Karriere als Süßwarenhersteller aufgeben würde.